Berlin


 

Zurück in Berlin machte ich zunächst das Abitur nach, wurde aber auf der Straße für den Film entdeckt, weil ich so einen frechen Hut aufhatte. Also spielte ich in „Harlis“ von Robert von Ackeren mit den für mich „durchgeknallten“ Schauspielern, ein Ausgleich für die ungewohnten „normalen“ Mitschüler in der Abendschule.

 

 


 

 

WELTREISE

Dann verabschiedete ich mich erst mal aus Deutschland und machte eine zweijährige Weltreise rund um den Globus.

In Hawai an einem traumhaften menschenleeren Strand

 

1974 vor dem Kapitol in Washington, USA

 


 

 

 

Während meines anschließenden Volkswirtschaftsstudiums bekam ich meine beiden Töchter, Nina und Katinka. Dennoch ging die Arbeit als Schauspielerin weiter und ich fing an, eigene Stücke aufzuführen.

 

Ich spielte zweimal am Grips Theater und bekam, als ich mit meiner zweiten Tochter im Wochenbett lag, ein Angebot vom Frankfurter Schauspielhaus von meinem Freund aus den Zeiten der Schauspielschule, Lutz Hochstraate, an das mich Wilfried Minks und Johannes Schaaf schon hatten engagieren wollen, genauso wie Wolfgang Wiens und Rainer Werner Fassbinder mir angeboten hatten nach Frankfurt ans TAT zu kommen, diese Angebote hatte ich aber abgelehnt.

 

Das Angebot von der Schaubühne in Berlin nahm ich an, wo ich 1980 in „Groß und Klein“ von Botho Strauß in der Inszenierung von Peter Stein mehrere Rollen übernahm. Bei einem Gastspiel im legendären Odeon in Paris war ich ebenfalls mit dabei, ein erhabenes Gefühl, im Theater von Sarah Bernhardt zu spielen.

 

1980 „Der Schatten eines Rebellen“ von Sean O’Casey

Schloßparktheater Berlin

 

Ich spielte in den nächsten Jahren in mehreren Produktionen an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, wie in den „Webern“ von Gerhardt Hauptmann mit Gisela Schneeberger als verhungertes Weberkind und mir als dicke Wirtin, da ich schwanger war oder am Schlosspark Theater in „Der Schatten eines Rebellen“ von Sean O’Casey in der Regie von Nikolaus Hähnel, wo Kurt Lietzau, der damalige Intendant, mir nach der Premiere höchstes Lob aussprach.

 

1974 während der Aufführung die „Weber“ von Gerhardt Hauptmann in der Garderobe des Schillertheaters

 

 

mit Gisela Schneeberger

 

„Flüchtige Bekanntschaften“ Regie Marianne Lüdcke mit Angelika Domröse

 

 

Gedreht habe ich in „Der Tod des weißen Pferdes“ von Christian Ziewer, „Flüchtige Bekanntschaften“ von Marianne Lüdcke mit Angelika Domröse, „Wahnsinn das ganze Leben ist Wahnsinn“ von Petra Haffter, „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Ulrich Edel und „Schwestern oder die Balance des Glücks“ von Margarete von Trotta.

 

Eine der wichtigsten Inszenierungen meiner letzten Jahre am Schillertheater, mit der die Ära Boy Gobert eingeläutet wurde, war „Jeder stirbt für sich allein“, wieder in der Inszenierung von Peter Zadek. Am gleichen Theater hatte mein Vater in der Titelrolle 1950 mit „Wilhelm Tell“ das Theater eröffnet.

 

 

1981 Die Fallada-Revue „Jeder stirbt für sich allein“ Regie Peter Zadek, ich spielte die Briefträgerin und Ehefrau von Hilmar Thate

 

 

Bei einer Inszenierung am Renaissance Theater in Berlin spielte ich in „Evchen Humbrecht oder die Kindsmörderin“, von Leopold Wagner in der Inszenierung von Heribert Sasse, die Mutter von Leslie Malton, mit der ich viel Spaß hatte, auch außerhalb der Bühne. Regieassistent zu der Zeit war der Sohn von Maria Schell, den Herr Sasse oft so angebrüllt hat, dass einem das Herz brach.

 

 

1982 „Evchen Humbrecht oder die Kindsmörderin“

Leopold Wagner

Regie: Heribert Sasse

Renaissance Theater Berlin

 

 

1985 „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ von Bertold Brecht, Regie

Das Ensemble allen voran Katharina Thalbach

 

 

Meine letzte offizielle Rolle war eine der Bräute des „Herrn Puntila“ in der Inszenierung von Peter Fitz und Ensemble an der Freien Volksbühne. Mein ehemaliger Chef Kurt Hübner hat das Duo Fitz und Sander, die vorher zusammen Regie geführt hatten, für Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ engagiert, mit Otto Sander als Puntila. Es war eine sehr arbeitsintensive Zeit, da es im Ensemble ununterbrochen Diskussionen über die Inszenierung gab, angeführt von der sehr engagierten Monica Bleibtreu. Das Ensemble war eine sehr interessante Mischung von Menschen aus unterschiedlichen Theaterfamilien: Irm Herrmann aus der Fassbinder Truppe, Katharina Thalbach, die bei Benno Besson an der Volksbühne (damals Ost) gelernt hatte, Otto Sander, aus der Familie von Peter Stein, ich von Peter Zadek und Monica Bleibtreu, die sehr von Therese Giese beeinflusst war. Neben dieser Riege von Schauspielern, die einen relativ anspruchsvollen Background hatten, gab es viele alteingesessene Berliner Schauspieler, die in der Aufführung mitspielten, allen voran Brigitte Mira. Sie verstanden nicht, was es da ständig zu diskutieren gab.

 

Schließlich wurde eine Woche vor der Premiere die Inszenierung von Kurt Hübner in die Hände des Ensembles gelegt, was ich persönlich noch nie erlebt hatte und … es ging gut! Katharina Thalbach hatte am meisten dazu beigetragen, dass es ein großer Erfolg wurde, 50 ausverkaufte Vorstellungen, ich selbst habe meine spätere Freundin Edelgard Hansen inszeniert, die das legendäre Kuhmädchen spielte, ebenfalls mit Erfolg.

 

 

Das Apothekerfräulein als Braut von Herrn Puntila

 

 

Nach dieser Aufführung habe ich nur noch zweimal Theater gespielt, beide Mal habe ich mir die Rolle selber geschrieben und mich auch selbst inszeniert.

 

Einmal „Puck erzählt den Sommernachtstraum aus seiner Perspektive“ ein Monolog, in dem ich mich als Puck für das Chaos begeistere, aufgeführt im „Theater des Lachens“ in Frankfurt an der Oder mit einem Percussionsensemble. Das letzte Mal habe ich mit Edelgard Hansen „Moorhild und Fofette“ aufgeführt, eine schrille Komödie, an der wir sehr lange gearbeitet haben und ich eine Domina spielte, die in die Zukunft gebeamt wurde, in der alle Menschen jung aussehen.