Zwischenspiel

Hans Jörg Utzerath, der damalige Intendant der Freien Volksbühne, engagierte mich für den Schwank „Das Mandat“, in dem ich ein Dienstmädchen spielte, das für die Zarentochter Anastasia gehalten wurde. Der Kritiker Joachim Kaiser schrieb hinterher, ich sei die Einzige, die den Geist des Stückes transportieren würde, was mich sehr freute, weil ich vergeblich darum gekämpft hatte, dass die gesamte Inszenierung diesen Geist haben sollte.

 

1969 „Das Mandat“, als angebliche Zarentochter Anastasia, die aber nur das Dienstmädchen Anastasia Pupkina ist.

Mit Gerd Kunath als mein Verehrer. 

 

1972 „Das Mandat“, Freie Volksbühne Berlin

 

 

Nach diesem Ausflug nach Berlin ging ich zurück nach Bremen, wo Rolf Becker die „Weibervolksversammlung“ von Aristophanes inszenieren wollte, mit mir in der Hauptrolle. Es war die Zeit, in der die politische Diskussion auch in den Theatern begann und die Arbeit sollte anders werden, neu, sollte das Politische beinhalten, das wir in den vorbereitenden Diskussionen erarbeitet hatten. Schon bei der ersten Probe stellte sich heraus, dass man das Stück trotzdem ganz normal erarbeiten musste, was allen damals allerdings zu wenig war. Nach wochenlangen Diskussionen und Grüppchenbildungen entschied sich Rolf Becker, statt einer Aufführung, das Stück von der neu gebildeten Truppe um Peter Stein auf der Hauptbühne lesen zu lassen. Unser Intendant Kurt Hübner erschien auf der Beleuchterbrücke und lieferte sich eine erregte Diskussion mit Peter Stein, der am Vorabend die Vorstellung für eine Antivietnam Solidaritätsbekundung unterbrochen hatte und so gab es ein tolles Spektakel, an dem ich aber leider nicht mehr beteiligt war. Im Fernsehen drehte ich beim WDR „Kolportage“ in der Regie von Wilhelm Semmelroth, in der mich Sonja Ziemann wegen meiner angeblichen Selbstsicherheit bewunderte.

 

Ich blieb noch bis zu meinem 29. Lebensjahr in Bremen, wo ich mit allen Regisseuren, die zu der Zeit am Theater beschäftigt waren, gearbeitet habe u.a. mit. Klaus Michael Grüber in „Meisterschaft im Klassenkampf“.

 

 

Michael Grüber

 

Nur mit Peter Stein und Rainer Werner Fassbinder kam zu der Zeit keine Zusammenarbeit zustande. Ich beschloss vom Theater abzugehen und das Wagnis einzugehen, als Künstlerin einen selbstbestimmteren Weg zu suchen.