Meine Anfänge bis zum Engagement am Stadttheater in Bremen

Meine Eltern, beide Schauspieler

Eleonore und Paul Esser

 

Mein Vater Paul Esser in seiner Zeit als Direktor vom Hansa Theater in Berlin, 1963 gegründet

 

Ich mit 22 Jahren

 

 

Als Jugendliche war für mich Theater das Einzige was zählte. Ich bin quasi ins Theater hineingeboren, denn ich bin die Tochter der baltischen Schauspielerin Eleonore v. Radecki und des Schauspielers und Berliner Theaterleiters Paul Esser. In unserem Wohnzimmer hörte meine Mutter den Rollentext meines Vaters ab, der schwer lernte, so dass die ganze Familie den Text schon konnte, bevor er ihn endlich beherrschte.

 

Mit 14 Jahren beschloss ich, Schauspielerin zu werden und durfte endlich mit 17 Jahren von der Schule abgehen und die staatliche Schauspielschule in Berlin, die Max-Reinhardt Schule unter der Leitung von Hilde Körber, besuchen.

 

Als ich die Schauspielschule beendet hatte, eröffnete mein Vater sein Theater in Moabit und ich wurde Mädchen für alles. Meine Freunde und ich tackerten den Bezug auf die Bestuhlung, ich wurde im ersten Stück Regieassistentin, Requisiteurin und Souffleuse, im zweiten Schauspielerin, im dritten Dolmetscherin und Kinderbetreuerin für die „Helen Keller Story“ am neugegründeten Hansa Theater und lernte dadurch ziemlich viel, was mir aber erst später bewusst wurde.

 

Nach einem halben Jahr trat ich mein erstes Engagement an, an einer klassischen Landesbühne, mit Abstechern in jedes Nest in Niedersachsen und „Knattermimen“ auf der Bühne.

 

 

1964 „Der Richter von Zalamäa“ von Calederon de la Barca an der Landesbühne Niedersachsen Mitte.

Ich spielte die rassige Zigeunerin Chispa, geschminkt von alten Ufa Maskenbildnern.

 

 

Peter Zadek auf einem Foto von Roswita Hecke.

 

 

1965 „Die alten Zeiten sind vorbei“, ein Musical

Regie Peter Zadek, am Theater am Goethe-Platz in Bremen. Das Stück spielt im Bordell, ich spielte eine Nutte.

 

 

1965 „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind, Regie Peter Zadek, Bühne Wilfried Minks

mit Judy Winter, Ellen Esser und Christiane Schröder.

 

 

Schockiert von dem niedrigen Niveau an der Landesbühne in Verden an der Aller, mobilisierte ich all meine Energie und sah mich nach einem Theater um, das mich begeistern konnte. Zu der Zeit lief die Revue „Die Geisel“ von Brendan Behan in der Inszenierung von Peter Zadek am Bremer Stadttheater. Bei dieser Aufführung klatschten die Zuschauer so lange, dass sie gebeten wurden, ihre Mäntel abzuholen, damit die Garderobenfrauen nach Hause gehen konnten, das taten sie und gingen anschließend wieder in den Zuschauerraum, um weiter zu klatschen. Hierhin wollte ich und wurde engagiert. Ich war begeistert von Peter Zadeks Arbeit und wollte nur noch mit ihm zusammen arbeiten, war in mehreren Stücken seine Regieassistentin und spielte u.a. unter der Regie von Peter Zadek in der Revue „Die alten Zeiten sind vorbei“, in „Frühlingserwachen“, „Held Henry“, „A Singular Man“ und „Die Unberatenen“.

 

 

Peter Zadek und ich in „A singular man“ (1966) Bühne Wilfried Minks mit Alois Strempel. Ich spielte eine Marilyn Monroe Rolle.

 

 

Da Peter Zadek vergaß, meinen Vertrag zu verlängern und erst im Juni kurz vor den Sommerferien vorschlug, er wolle mit dem Intendanten Kurt Hübner über eine Vertragsverlängerung sprechen, war ich so verletzt, dass ich ablehnte und stattdessen für ein Jahr ans Hansa Theater nach Berlin ging. Künstlerisch eine sehr zwiespältige Erfahrung, aber sie wappnete mich für spätere Vorschläge meines Vaters, der theoretisch in jedem Stück eine Rolle für mich zu haben glaubte.